Island '04 - oder unsere Flitterwochen



30.07.2004 Reykjavik - Hella

Gullfoss Nachdem wir unseren Mietwagen abgeholt hatten, ging die Reise los, unserem ersten Ziel entgegen: Thingvellir.
Thingvellir ist in zweifacher Hinsicht bedeutsam für Island. Zum einen driften hier die amerikanische und die europäische Kontinentalplatte auseinander, wodurch große Spalten entstehen. Zum anderen tagte hier im Jahr 930 das erste Parlament Islands, das sogenannte Althing.
Weiter ging die Fahrt ins Hochtemperaturgebiet Haukadalur (Habichtstal). Hier sind neben einigen Kieselsinterbecken der Stóri-Geysir (Großer Geysir) sowie der Strokkur-Geysir (Butterfass) zu finden. Ersterer gab allen Springquellen der Welt den Namen Geysir und ist nicht mehr aktiv, zweiterer eruptiert mehr oder weniger regelmäßig eine 20m hohe Wassersäule.
Nach 10km Autofahrt erreichten wir den Gullfoss (Goldener Wasserfall). Der Fluss Hvitá stürzt über zwei Stufen 31m tief ins Tal. Man hat hier zwei Möglichkeiten, den Gullfoss zu sehen: zum einen kann man ihn von einer Plattform aus betrachten (gut geeignet für Fotos), zum anderen kann man den Gullfoss über einen schmalen, rutschigen Pfad erreichen (hier sind gutes Schuhwerk und Regenkleidung von Nutzen).


31.07.2004 Hella - Kirkjubaejarklaustur


01.08.2004 Kirkjubaejarklaustur - Höfn

Der Svartifoss Um den nächsten Punkt unserer Reise zu erreichen, den Skaftafell- Nationalpark, mußten wir erst die Skeidarársandur (1000qkm große Sandwüste) durchqueren. Hier ereignete sich im Herbst 1996 ein gewaltiger Gletscherlauf, der Teile der Ringstraße 1 zerstörte (umgebogene Brückenpfeiler sind noch neben der Straße zu erkennen). Der Skaftafell- Nationalpark (1967 gegründet) lud uns zum Wandern ein. Wir erreichten nach einem Anstieg den Svartifoss. Sein Wasser fällt in einen Kessel aus nahezu gleichmäßig geformten Basaltsäulen. Beim Abstieg zurück zum Parkplatz hat man einen wunderbaren Blick über die schwarze Sandwüste.
Bevor wir unser heutiges Ziel erreichten, machten wir einen Abstecher zum Gletschersee Jökulsárlon mit den darauf treibenden Eisbergen. Hier mündet der kürzeste Gletscherfluss nach nur 1,5km ins Meer.


02.08.2004 Höfn - Egilsstadir


03.08.2004 Egilsstadir

Der Hengifoss Heute hatten wir einen ganzen Tag für die Region um Egilsstadir zur Verfügung. Da es hier sehr viel zu sehen gibt, ist dies auch zwingend erforderlich. Egilsstadir selbst liegt in einem Tal und ist das Dienstleisungszentrum des Ostens.
Durch die geschützte Lage konnte hier Island größter Wald (Hallormsstadur) entstehen. Seit 1938 wurden hier vor allem Kiefern, Fichten, Birken und Lärchen angepflanzt. Egilsstadir liegt zudem an Islands drittgrößtem See, dem Lagarfljót (Lögurinn). In ihm soll Ormur hausen, ein Verwandter Nessies, der in der Lage ist seine Gestalt zu verändern.
Wir hatten allerdings zwei andere Hauptziele: Das erste war das beschauliche Fischerdorf Bakkagerdi. Hier soll in der Álfaborg das Königspaar der Elfen leben. Und tatsächlich hat dieser Hügel etwas mystisches an sich. Außerdem gibt es hier an der Küste wieder zahlreiche Papageientaucher und Möwen zu sehen. Auf dem Weg über den Pass nach Bakkagerdi hat man einen herrlichen Blick über die Bucht Héradsflói.
Unser zweites Hauptziel an diesem Tag war der Hengifoss. Der Aufstieg zum Hengifoss ist allerdings nicht zu unterschätzen (neben dem recht steilen Anstieg kann es auch sehr windig sein). Wir folgten dem Pfad bis zu einem eigentlich kleinen Bach. Durch den Regen der letzten Tage war dieser jedoch so angestiegen, dass wir uns eine andere Stelle zum überqueren suchen mussten, was zur Folge hatte, dass wir komplett vom Weg abkamen, und sich der "Spaziergang" ungewollt verlängerte. (Also: besser nicht vom Weg abkommen. Wer weiß, wo man sonst landet.) Auf dem Weg zum Hengifoss kommt man am Litlanesfoss vorbei. Beides sind auf ihre Art beeindruckende Wasserfälle. Der Litlanesfoss zeichnet sich durch wunderschön geformte Basaltsäulen aus, wobei man am Hengifoss die eingelagerten, roten Tonschichten genau erkennen kann. Wie sie entstanden sind, kann man auf einer Tafel vor Ort nachlesen (sonst würde das hier mit einer Erklärung zum Chemiereferat ausarten). Der Hengifoss ist zudem mit 118m Höhe der dritthöchste Wasserfall Islands. Jedoch hat man sich bei der Vermessung wahrscheinlich um ein paar Meter vertan.


04.08.2004 Egilsstadir - Raufarhöfn


05.08.2004 Raufarhöfn - Myvatn

Der Dettifoss Auf diesem Teil unserer Reise sollten wir die Kraft des Wassers kennenlernen. Unser erster Haltepunkt war die Schlucht Ásbyrgi. Das besondere an ihr ist die Hufeisenform. Diese entstand wahrscheinlich nach einem gewaltigen Gletscherlauf aus dem Vatnajökull. Aus geologischer Sicht ist aber auch denkbar, dass der Fluss Jökulsá diese Formation herausgewaschen haben könnte. Der Isländer jedoch erzählt sich, dass das Streitross Odins, Sleipnir,welches acht Beine besitzt, bei seinem Flug hier mit einem seiner Hufe den Boden berührte.
Nachdem wir uns diese kleine, wunderschöne Schlucht angesehen hatten, ging es weiter entlang der Jökulsá-á-Fjöllum-Schlucht. Man fährt hier durch eine wahre Mondlandschaft und kommt schließlich zum ersten von drei beeindruckenden Wasserfällen, dem Hafragilsfoss. Vom dortigen Aussichtspunkt hat man einen weitschweifenden Blick in die Schlucht. Nur einige Kilometer weiter erreicht man den Dettifoss. Schon von Weitem hört man sein gewaltiges Donnern und je näher man kommt, desto mehr fühlt man die Vibrationen des Bodens, auf dem man steht. Der Dettifoss ist Europas wasserreichster Wasserfall. Bis zu 200.000 l Wasser stürzen hier 44m pro Sekunde in die Tiefe. Der letzte der drei Wasserfälle ist der Selfoss. Dieser ist sehr breit. Allerdings beträgt die Fallhöhe hier "nur" 10m. Wenn man Glück hat, und die Sonne scheint, dann sieht man die wunderschönen Regenbögen, die das Sonnenlicht in die aufsteigende Gischt des Dettifoss zaubert.
Der letzte Höhepunkt des Tages war das Solfatarenfeld Hverarönd. Schon von weitem kann man die gelbliche Flanke des Námafjall sehen, die aufgrund des hohen Schwefelgehaltes im Boden entstanden ist. überall brodelt hier bis zu 100°C heißer, schwefelhaltiger Schlamm in kleinen Tümpeln. Dazu zischen Solfatare im Hintergrund. Früher wurde hier Schwefel zur Schießpulvergewinnung abgebaut.
Auf ein paar Dinge sollte man vorbereitet sein: Es stinkt nach faulen Eiern (Schwefelwasserstoff), bei falscher Windrichtung weht es die Mücken vom nahegelegenen Myvatn her, und man sollte, wie eigentlich generell in Island, auf den gekennzeichneten Wegen bleiben.


06.08.2004 Myvatn


07.08.2004 Myvatn - Laugarbakki

Der Götterwasserfall Goðafoss Nur mühsam konnten wir uns am diesem Morgen vom Mückensee trennen. Wir fuhren gen Westen Richtung Akureyri. Einen kleinen Zwischenstopp legten wir am Godafoss ein. Der Götter-Wasserfall hat seinen Namen seit dem Zeitpunkt, als der Gesetzessprecher Thorgeir hier seine Götterbilder versenkt haben soll, nachdem das Christentum als Staatsreligion eingeführt wurde. Der Godafoss ist ein recht flacher (ca. 10m Fallhöhe), dafür aber ein mit 100m sehr breiter Wasserfall. Nach kurzer Zeit ging es weiter nach Akureyri.
In Akureyri angekommen, genossen wir den kleinen Spaziergang durch dieses kleine Städtchen (ca. 16000 Einwohner). Akureyri ist das wichtigste Handels- und Kulturzentrum im Norden Islands. Hier findet man neben einer Universität (1987 gegründet) und einer technischen Hochschule auch eine Musik- und Kunstschule sowie ein Gymnasium. Außerdem findet man zahlreiche Museen in der Stadt. Akureyri lädt mir seiner kleinen "Einkaufsmeile" und den vielen kleinen Cafés, Bars und Restaurants zu einem kleinen Bummel ein.
Später fuhren wir weiter auf der 1 Richtung Westen durch das wichtigste Pferdezuchtgebiet Islands. Die Landschaft wirkt hier nicht so rau, wie am Myvatn oder am Dettifoss. Jedoch zeigt Mutter Natur auch hier ihre Vielseitigkeit. Hohe Berge wechseln sich ab mit grünen Tälern, immer wieder fahren wir an kleinen Seen vorbei und Fjorde haben sich tief in Land geschnitten. Unterwegs trifft man auch auf eine interessante Hügelformation, die Vatnsdalshólar. Auf einer Fläche von 4km² reiht sich ein kleiner Hügel an den anderen. Diese sind Zeugen eines gewaltigen Bergrutsches am Vatnsdalsfjall. Kurz vor unser heutigen übernachtungsmöglichkeit in Laugarbakki machten wir noch einen kleinen Abstecher auf die Vatnsnes-Halbinsel. Hier findet man den Hvítserkur. Einen 15m hohen Vogelfelsen, der von Wind und Wellen in eine bizarre Figur verwandelt wurde. Einer isländischen Sage nach handelt es sich bei Hvítserkur um einen versteinerten Troll, der als er ein Kloster mit Steinen bewarf, von der Sonne überrascht wurde und sich in Stein verwandelte.


08.08.2004 Laugarbakki - Suðureyri


09.08.2004 Suðureyri - Patreksfjörþur

Der Dynjandifoss Papageitaucher an der Steilküste Látrabjarg Die heutige Route führte uns in die Westfjorde Richtung Isafjördur. Die tiefeingeschnittenen, oft sehr schmalen Fjorde entstanden während der letzten Eiszeit. Beeindruckend ist die Fahrt auf den teils schmalen Straßen, auf der einen Seite die hohen Tafelberge und auf der anderen Seite das Meer. In manche dieser Fjorde dringt ein halbes Jahr lang kein Sonnenstrahl mehr vor. Um an unser heutiges Etappenziel (Suðureyri) zu gelangen, mussten wir in Isafjördur durch einen 6km langen Tunnel fahren, der teils nur einspurig ist.
Nachdem wir uns vom Anblick des Fjallfoss loseisen konnten, brachen wir auf in Richtung Látrabjarg. Auf dem Weg dorthin fuhren wir über das Hochplateau Dynjandisheidi an Brjánslaekur vorbei, wo uns am morgigen Tag die Fähre erwartet, Richtung Patreksfjördur (der Name leitet sich von dem irischen Nationalheilige St.Patrick ab). Kurz vor Patreksfjördur biegt man auf eine kleine , nicht ganz leicht befahrbare Schotterstraße ab. Diese führt nach etlichen Windungen über ein Pass und bringt uns nach einem grandiosen Blick aufs weite Meer an die Steilküste Látrabjarg. Látrabjarg ist eine 14km lange Steilküste, die an ihrem höchsten Punkt 441m abfällt. Ihr westliches Ende Bjargtangar ist der westlichste Punkt Islands und damit Europas.
Látrabjarg ist ein Vogelparadies. 100 Tausende von Möwen verschiedener Arten und Papageientaucher brüten hier während der Sommermonate. Hier kann auch der Vogelkunde-Laie erkennen, dass es streng getrennte Brutregionen der hier nistenden Meeresvögeln gibt. Die Papageientaucher z.B. brauchen für ihre Bruthöhlen den weichen Boden auf der Steilklippe. Es ist schon faszinierend, den kleinen, frechen Tierchen bei ihrem alltäglichen Leben zuzuschauen. Es sieht vor allem sehr abenteuerlich aus, wenn sie ihren gedrungenen Körper mit dem kleinen Flügeln in der Luft halten. Unter Wasser sind die kleinen Papageientaucher (isländisch Lundi) allerdings sehr geschickte Jäger. Beim Fotografieren scheinen einige Exemplare regelrecht vor der Kamera zu posieren.


10.08.2004 Patreksfjörður - Arnarstapi


11.08.2004 Arnarstapi - Borgarnes

Die Hraunfossar An unserem vorletzten Tag auf Island machten wir uns auf den Weg nach Borgarnes, oder eher gesagt nach Eldborg, wo sich unsere letzte Unterkunft befand. Vorher jedoch umrundeten wir die Snaefellsnes- Halbinsel. Zwischendurch machten wir zwei kleine Stopps. Einmal, um auf einen erloschenen Vulkankrater zu steigen, und zweitens, um im Neshraun alte Fischerhütten (13./14. Jhd) zu besichtigen.
An dieser Stelle möchten wir etwas zum Thema Wetter loswerden: es heißt ja immer, dass es auf Island furchtbar kalt ist und ununterbrochen regnet. Wir können hiermit diese These widerlegen. Wir hatten insgesamt nur drei Tage schlechtes Wetter, und einer davon war echt übel. Ansonsten hatten wir Sonnenschein, und die Temperaturen kletterten auf sage und schreibe 31°C. Wir hatten diesen Sommer das unsagbare Glück, einen Rekordsommer auf Island zu erleben. Und wir hatten glücklicherweise kurze Sachen im Reisgepäck.
Bevor wir den heutigen Tag beendeten, entschlossen wir uns noch, die Wasserfälle Hraunfossar und Barnafoss zu besuchen. Doch zuerst haben wir die beiden Wasserfälle nicht gefunden, weil wir auf der falschen Uferseite unterwegs waren, und die Brücke verpassten. Beim zweiten Anlauf wurden wir fündig. Der Hraunfossar ist sehr interessant zu betrachten, da er unter der Lavaschicht hervortritt und in Kaskaden in den Fluss fließt. Der Barnafoss liegt wenige Meter flussaufwärts. Früher soll es einen Steinbogen über diesen Wasserfall gegeben haben. Zu seinem Verschwinden gibt es eine Geschichte: In der Nähe des Barnafoss soll eine Familie mit zwei Kindern gelebt haben. Die Eltern fuhren eines Abends fort und die Mutter sagte zu den Kindern, das sie zuhause bleiben und nicht in die Nähe des Wassers gehen sollten. Doch die Kinder hörten nicht auf sie, und folgten den Eltern. Als sie jedoch über den Steinbogen gingen, fielen beide in den Fluss und ertranken. Später ließ die Mutter der Kinder den Steinbogen vor lauter Schmerz und Trauer zerstören, damit nie wieder solch ein Unglück geschehen konnte. Auf unserem Rückweg kamen wir dann an Europas größter Heißwasserquelle vorbei.


12.08.2004 Borgarnes -Reykjavik


13.08.2004 Rückflug nach Deutschland (Düsseldorf)